Salvete!

Latein ist tot? Keineswegs! Egal, ob Heldengeschichten, Fake News, Liebeskummer oder die Frage nach einem glücklichen Leben: Die Interessen und Probleme der antiken Römer sind auch heute noch oft genauso aktuell wie vor zweitausend Jahren. Und wir können viel von ihnen lernen...

MUTTERSPRACHE EUROPAS

Für das Erlernen moderner Fremdsprachen hat Latein geradezu eine Schlüsselfunktion. Denn es gilt als „Mutter“ der romanischen Sprachen, zu denen Italienisch, Französisch und Spanisch gehören. So leiten sich 70% der romanischen Wörter und 50% der Wörter der englischen Sprache aus dem Lateinischen ab; folgende Beispiele seien genannt:

Lateinisch

Italienisch

Französisch

Spanisch

Englisch

portus

porto

port

puerto

port

familia

famiglia

famille

familia

family

lacus

lago

lac

lago

Lake

flores

fiori

fleurs

flores

flowers

SPRACHSENSIBILITÄT

Schon das Erlernen der Sprache Latein selbst (unser „Kerngeschäft“) eröffnet neue Horizonte, die besonders in der modernen, international vernetzten Welt von unschätzbarem Wert sind. Inzwischen ist erwiesen, dass Latein die muttersprachliche Kompetenz fördert, unter anderem wegen seiner systematischen Grammatik. Auch die grammatikalische Fachsprache (z.B. Fachbegriffe wie „Subjekt, Prädikat, Objekt, Attribut, Adverbiale“) erlernt und übt man im Lateinunterricht. Weil im Lateinunterricht die gesprochene Sprache die deutsche Sprache ist und auch die Zielsprache der Übersetzungen, fördert der Lateinunterricht auch die Sprachbewusstheit hinsichtlich der Muttersprache. Das bewusste sprachreflexive und sprachkontrastive Arbeiten beim Übersetzungsprozess erweitert die Ausdrucksfähigkeiten in der deutschen Sprache. Die Schülerinnen und Schüler gelangen zu einem vertieften Verständnis hinsichtlich der Funktion und Struktur von Sprache.  

DENKEN LERNEN

Doch Latein bietet auch noch andere Vorteile. Nicht zuletzt lernt man in seiner Arbeitsweise, sich Genauigkeit anzueignen, weil man die Endungen der lateinischen Wörter exakt beachten muss. Auch die Kombinationsfähigkeit wird beim Übersetzen geschult und ganz besonders die Fähigkeiten zum systematischen Arbeiten.

HISTORISCHE KOMMUNIKATION

Wer Latein lernt, beschäftigt sich tatsächlich mit einer für uns teilweise fremden Welt, deren Wurzeln wir aber allgegenwärtig im Heute noch spüren können. In dem Bewusstsein einer zeitlichen und kulturellen Distanz zur Altertumskunde liegt deswegen eine geeignete Chance für Fremderfahrung und eine Erweiterung des eigenen Horizontes zum besseren Verständnis der Gesamtwirklichkeit. Durch die Arbeit mit Originaltexten, aber auch mit der Rezeption ihrer Inhalte in Kunst, Musik und /oder Literatur vermittelt Latein die elementare Einsicht, dass die Antike eine grundlegend prägende Kraft für das Europa von heute ist. Latein ist somit das Universalfach allgemein bildender Prägung.

LATEIN AM BERTHA
Latein wird am Bertha momentan von der 6. bis zur Einführungsphase als zweite Fremdsprache neben Französisch unterrichtet. Am Ende des Lateinunterrichts steht das Latinum. Das Latinum wird am Ende der Einführungsphase bei einer mindestens ausreichenden Leistung zuerkannt. Es wird mit dem Abiturzeugnis bzw. jedem anderen Abgangszeugnis vergeben, kann aber darüber hinaus bei Bewerbungen auf Wunsch bescheinigt werden. Das sogenannte Kleine Latinum wird weiterhin zuerkannt, wenn der Lateinunterricht von der Jahrgangsstufe 6 bis 9 belegt wurde und eine mindestens ausreichende Leistung erbracht wurde. Es wird vom Schulleiter beim Abgang von der Schule auf dem Abgangszeugnis bescheinigt. Das Kleine Latinum dient allerdings nicht als Beleg für Studiengänge mit Latinumsvoraussetzungen. Es kann aber die Phase bis zur nachträglichen Erlangung des Latinums verkürzen und erfüllt die Voraussetzung für Studiengänge, die Lateinkenntnisse verlangen.

Die Anzahl der Wochenstunden verteilt sich folgendermaßen auf die einzelnen Jahrgangsstufen:

Jgst.

6

7

8

9

EF

Wochenstunden

4

5

3

3

3

UNTERRICHTSINHALTE

Es wird mit dem Lehrbuch Adeamus! vom Oldenbourg Schulverlag gearbeitet. Dieses ist beim Spracherwerb besonders auf den sprachlichen Entwicklungsstand und inhaltlich auf die Interessen jüngerer Schülerinnen und Schüler zugeschnitten. Die Grammatik wird in kleinen Schritten erklärt und übersichtlich dargestellt. Die Anzahl neuer Vokabeln geht selten über 25 Worte hinaus.

Die Schülerinnen und Schüler lernen in den Lektionen 1-20 Menschen kennen, die vor mehr als 2000 Jahren wirklich gelebt haben: den Redner, Anwalt, Politiker und Schriftsteller Marcus Tullius Cicero und seine Familie. In den Lektionen 21-35 tauchen sie in die Welt des Mythos ein und erleben eine Reise durch die Zeiten. In den Lektionen 36-43 reisen die Schülerinnen und Schüler von Ort zu Ort durch das römische Reich und erfahren mehr über Leben und Ereignisse in Italien und in den Provinzen während der römischen Kaiserzeit.

Reichhaltiges Bild- und Informationsmaterial veranschaulicht die römische Lebenswelt und schafft eine Verbindung zur Gegenwart.

EXKURSIONEN

Tagesausflug nach Xanten (Colonia Ulpia Traiana)

Am Ende des ersten Lehrjahres unternehmen alle Lateinschülerinnen und Schüler einen Tagesausflug in den archäologischen Park Xanten. In der Antike war die Colonia Ulpia Traiana eine der größten Metropolen in den germanischen Provinzen. Dort wurden Spuren hinterlassen, die den Lernenden einen unmittelbaren Eindruck auf das antike Leben ermöglichen, das sie bislang nur aus dem Lateinbuch kennen. Höhepunkte der Exkursion sind daher das Amphitheater und die Kleiderführung, die zum Mitmachen einladen.

Exkursion in eine der ältesten Städte Deutschlands – Trier (Augusta Treverorum)

Alljährlich unternehmen die Lateinschülerinnen und –schüler der Jahrgangsstufe 8 in der letzten Woche vor den Sommerferien eine zweitägige Exkursion nach Trier. Nach der Ankunft in der Jugendherberge erhalten die Lernenden während der Durchführung einer Stadtrallye Informationen über die einstige römische Colonia, ihre Geschichte und ihre Wahrzeichen. Höhepunkte der Exkursion stellen die Erlebnisführungen über den Gladiator Valerius im Amphitheater und das Geheimnis der Porta Nigra im „Schwarzen Tor“ der Stadt dar.